Die Wasserkuppel (Eine von mehreren Flash Fiction Storys die im Zuge einer Autorenarena 2023 in Facebook entstanden ist) Langsam öffne ich meine Augen. Mein Kopf schmerzt, als hätte ich tagelang durchgesoffen. Ich versuche mich zu orientieren, doch es ist stockdunkel um mich herum. Wo bin ich bloß? Ich liege auf einem Bett, das kann ich fühlen. Die Stille ist erschreckend. Ich spüre meinen Herzschlag in meinen Ohren und mein Atem klingt wie ein lautes Rauschen. Meine Augen gewöhnen sich langsam an die Dunkelheit und ich erkenne einen runden Raum mit einem ebenso runden Fenster. Ich steige aus dem Bett und blicke in noch mehr Dunkelheit. Je länger ich das Draußen beobachte, umso mehr erfasse ich, dass ich mich unter Wasser befinde. Ein paar gelbe Fische schwimmen friedlich vor diesem riesigen Guckloch vorbei. Etwas regt sich im Hintergrund. Zwei leuchtende Augen sehen mich an und mir läuft ein Schauer über den Rücken. In der Ferne bewegt sich dieses Etwas langsam auf mich zu, etwas Großes, etwas Gewaltiges. Es schwebt langsam und mit schlingernden Bewegungen in meine Richtung, und es kommt immer näher. Ich kann nicht erkennen was es ist, aber ich spüre die Gefahr in jeder Zelle meines Körpers. Ein Leuchten erhellt den Meeresgrund. Es kommt von dieser Kreatur. Sie hat lange Tentakel wie ein Tintenfisch, doch seine Haut ist leuchtend orange. Seine Tentakeln sind grau mit roten Punkten und es sind unzählige. Ich erkenne auf einem Blick, es müssen mindestens zwanzig sein, wenn nicht mehr. Es nähert sich meinem Guckloch und ich erstarre und kann mich nicht bewegen. Seine Augen schauen mich an und mir scheint, sie blicken mir direkt in meine Seele. Ich spüre die Kälte die mich umgibt und mein Magen rebelliert vor Angst. Ich realisiere, dass ich ganz allein in dieser Kuppel unter dem Meer bin, allein und völlig hilflos. Ich versuche mich zu beruhigen und tief durchzuatmen. Ich weiß, dass ich etwas tun muss. Ich kann nicht einfach hier stehen und darauf warten, dass das Unvermeidliche passiert. Ich kann nicht einfach auf meinen Tod warten. Nein. Ich löse mich aus meiner Erstarrung und sehe mich um. Meine Augen haben sich in der Zwischenzeit an die Dunkelheit gewöhnt und ich sehe mich um. Die Kuppel ist kreisrund und besteht aus Metall. Auf der gegenüberliegenden Seite vom Fenster sehe ich eine Tür mit einem großen Rad darauf. Eine Schottwandtür. Ich kenne solche Türen von Filmen, die unter Wasser spielen. So schnell ich kann, laufe ich dieser Tür entgegen um zu sehen, ob sie ein Ausweg sein könnte. Auf meinen Zehenspitzen blicke ich durch das kleine Bullauge der Eisentür und erkenne einen weiteren Raum. Er ist grade mal geschätzte vier Quadratmeter groß und an den Wänden hängen Sauerstoffflaschen und ein Tiefseetauchanzug. Mein Kopf brummt immer noch und meine Gedanken rasen. Das Rad der Tür lässt sich nur schwer drehen, doch ich schaffe es und öffne die Tür. Schnell schlüpfe ich in den Anzug und überprüfe die Sauerstoffflaschen. Sie sind voll. An der Wand sehe ich einen Schalter. Fluten, steht da. Ich schließe die Innentür und drücke auf den Knopf. Ein Brausen und Blubbern ertönt und unter mir steigt das Meerwasser höher und höher. Als der kleine Raum völlig geflutet ist, öffne ich die Außenluke und stoße mich vom Rand der Kuppel ab. Mit kräftigen Schwimmbewegungen befördere ich meinen Körper in Richtung Licht, in Richtung Oberfläche. Ich kann fühlen, wie die Kreatur mir folgt, wie seine langen Tentakeln nach mir greifen. Ich höre ein tiefes Brummen, als würde dieses Vieh genau neben mir sein. Es umschließt mich schließlich und drückt zu. Mein Körper fühlt sich an, als würde er durch eine mittelalterliche Wäschekurbel gedreht. Mir bleibt die Luft weg und ich spüre, wie das Leben langsam aus mir entschwindet. Dann wache ich auf. Mein Herz rast und ich bin durchgeschwitzt, doch ich bin erleichtert, dass alles nur ein böser Albtraum war. © by Michaela Brenner 2023
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Kreatives Schreiben