Tödliche Worte
(Eine von mehreren Flash Fiction Storys die im Zuge einer Autorenarena 2024 in Facebook entstanden ist)
Es
war
nur
eine
Rezension.
Ein
paar
geschriebene
Worte,
die
durch
das
Internet
geisterten
und
mein
Buch
–
mein
Meisterwerk
-
in
den
Dreck
zogen.
„Papiergewordener
Unsinn“,
hatte
er
es
genannt,
„ein
Schlag
ins
Gesicht
jedes
echten
Belletristikliebhabers“.
Er,
dieser
selbsternannte
Kritiker,
der
mit
seinem
spitzen
Stift
herumfuchtelte wie ein Fechter, der nie gelernt hatte, was es bedeutet, zu erschaffen.
Was habe ich nur getan?
Am
nächsten
Tag
war
er
tot,
und
ich
war
der
Hauptverdächtige.
Es
war
absurd,
ich
eine
Mörderin?
Aber
die
Beweise
schienen
gegen
mich
zu
sprechen.
Meine
Fingerabdrücke
auf
der
Weinflasche
in
seiner
Wohnung,
meine
E-Mails,
in
denen
ich
ihn bedrohte, meine öffentliche Auseinandersetzung mit ihm auf der Buchmesse.
Und
jetzt
frage
ich
mich,
ob
die
Reue,
die
mich
wie
eine
bleierne
Decke
umhüllt,
aus
Schuldgefühlen
stammt
oder
aus
der
Erkenntnis,
dass
ich
meinen
schlimmsten
Kritiker zum Schweigen gebracht habe.
Die
Polizei
hatte
Fragen.
Ich
hatte
Ausreden.
„Ich
war
die
ganze
Nacht
zu
Hause“,
log
ich,
mit
einem
Alibi,
so
dünn
wie
das
Papier
meines
Romans.
„Ich
würde
niemals...“
Meine
Stimme
brach.
Die
Polizei
sah
mich
an,
ihre
Blicke
misstrauisch
und
durchbohrend.
Was habe ich nur getan?
Ja,
ich
hatte
ihn
besucht.
Ja,
wir
hatten
Wein
getrunken.
Ja,
wir
hatten
gestritten.
In
einem
unbedachten
Moment
hatte
ich
das
Gift,
das
ich
in
meiner
Tasche
bei
mir
trug,
heimlich
in
sein
Glas
gegeben.
Ich
hatte
nicht
vor,
es
zu
benutzen,
es
war
nur
eine
Vorsichtsmaßnahme
-
ein
dunkler
Gedanke,
der
zur
Realität
wurde.
Er
trank,
ahnungslos,
und
ich
beobachtete
ihn.
Jeder
Schluck
brachte
ihn
seinem
Ende
näher,
während
ich
meinen
Wein
unberührt
ließ.
Ein
klassischer
Fall
von
Mord,
ausgeführt
im
Schatten
meiner
aufbrausenden
Emotionen.
Ein
Missgeschick?
Ein
Unglück?
Nein,
ein
tödlicher,
vorsätzlicher Fehler.
Ich
sehe
sie
noch
vor
mir,
die
Kritik,
die
er
über
mein
Lebenswerk
ergossen
hatte,
und
wie
sie
sich
in
mir
zu
einem
stürmischen
Meer
aus
Wut
aufbaute.
In
einem
Augenblick
reiner
Raserei
überschritt
ich
die
Grenze
zwischen
Realität
und
Fiktion, zwischen Leben und Tod.
Jetzt
sitze
ich
hier
und
schreibe
meine
letzte
Geschichte.
Die
Geschichte
meiner
Schuld.
Ja,
ich
bin
die
Mörderin,
aber
auch
eine
Schöpferin.
Eine
Schöpferin
von
Welten,
von
Leben,
von
Tod.
Und
ich
werde
meine
Geschichte
beenden,
so
wie
ich
es
immer
tue
–
mit
einem
letzten
Satz,
der
alles
verändert.
Im
Gefängnis
werde
ich
schreiben,
über
die
Dunkelheit,
die
in
jedem
von
uns
lauert.
Und
vielleicht
-
nur
vielleicht
-
wird
dieses
Buch
das
sein,
für
das
ich
in
Erinnerung
bleiben
werde.
Nicht als Mörderin, sondern als die Schriftstellerin des wahrhaftigsten Krimis aller Zeiten.
Was habe ich nur getan?
Ich habe Literaturgeschichte geschrieben. Literatur, so lebendig, dass sie tötet.
© by Michaela Brenner 2024
Design by Michaela Brenner 2018