Geschrumpfte Autoren (Eine von mehreren Flash Fiction Storys die im Zuge einer Autorenarena 2024 in Facebook entstanden ist) Es hatte alles mit einem lustigen Treffen unserer Autorengruppe an einem Samstagnachmittag begonnen. Wir waren gerade dabei über ein verschollenes Buch des SciFiAutors H. G. Wells zu diskutieren als uns ein Lichtblitz blendete und uns für einige Minuten in Bewusstlosigkeit versetzte. Als wir wieder erwachten, waren wir alle auf die Größe eines Bleistifts geschrumpft. Mitten in unserem literarischen Lilliput- Leben stellten wir schließlich fest, dass unser Kater Schnuffel nicht mehr der schnurrende Freund war, den wir kannten, sondern ein maunzendes Monster auf der Jagd nach Beute. Mit unseren neuen, winzigen Körpern und unseren mit großen Wissen beladenen Köpfen, aber nun unserer körperliche Kraft beraubt kletterten wir über Buchrücken das Regal hoch wie ein Aufstieg auf den Himalaja und versteckten uns. Der Wohnzimmerteppich unseres Gastgebers Rudi, der eine Vorliebe für flauschige Hochflorteppiche hatte, wurde zu unserem Dschungel, in dem zwei von uns vor Schnuffels neugierigen Tatzen flüchteten. Jemand schrie plötzlich: “Es tut mir leid. Ich wollte das nicht. Es war ein Experiment das wohl nach hinten losgegangen ist!“ Es war Rudi, der Hausherr und Gastgeber. „Es sollte uns mehr Gehirnkapazität bringen als diese lächerlichen 15% die wir jetzt haben, damit wir noch bessere Geschichten schreiben können.“ Er seufzte traurig. „Entschuldigt bitte, so hab ich mir das nicht vorgestellt, als ich euch dieses Getränk serviert habe. Es sollte wirklich nur unser Bewusstsein erweitern ohne das ihr Schaden nehmt!“ Miriam unsere Romance Autorin rollte mit den Augen. „Na super, und wir alle haben dieses Zeug gesoffen“, sagte sie und rollte noch mehr mit den Augen. „Pass auf, dass dir nicht deine Augen aus dem Gesicht fallen“, bemerkte ich mit einem Augenzwinkern zu Miriam. „Ok, wir brauchen jetzt einen Plan um uns wieder auf normale Größe zurückzuverwandeln und um nicht als Snack in Schnuffels Magen zu landen", bemerkte die Krimiautorin Carla trocken, während wir uns in einem Spalt zwischen zwei Wandbüchern versteckten. "Jemand muss Schnuffel ablenken, während die anderen versuchen, das Experiment rückgängig zu machen.“ „Rudi? Was ist in diesem Trank?“ Rudi saß auf einem Lexikon und wetzte etwas unruhig hin und her. „Also in ein Glas Wein gibt man ein zwei Tropfen Druckertinte, eine Essenz aus Inspiration und Ideen und etwas Wasser aus dem See des Lernens.“ „Tja, fragt sich jetzt nur, was geschieht, wenn wir das ganze nochmal zusammen mischen, entweder wir werden noch kleiner oder wir wachsen wieder auf Normalgröße.“ Der Lyriker Hermann überlegte und nickte dabei angestrengt mit dem Kopf wie eine Honolulupuppe im Front eines Wagens. Hermann, nun nicht größer als sein eigenes Haiku, seufzte. "Ein Köder also. Eine Ode an die Tapferkeit in drei Zeilen." Rudi zog ein Streichholz wie ein Schwert aus der Schachtel und rief: „Ich habe einen Plan! Ich habe uns hier reingebracht, ich werde uns auch rausbringen. Ihr habt genau sieben Minuten und vierundfünfzig Sekunden nach meiner Berechnung die Zeit, die ich brauche, um von hier zur Couch zu laufen und wieder zurück, um das Serum noch mal zu mischen." Mit dem Herzen eines Helden und den Beinen eines Sprinters lief Rudi los, während Schnuffel, das pelzige Ungetüm, faulenzend ein Auge öffnete. Das Manuskript des Autors flatterte hinter ihm her, Seite um Seite mit seinen besten Alien- Abenteuern. Wir anderen machten uns an die Arbeit, mischten auf dem Tisch das Serum zusammen und hofften, dass es wirken würde. Derweil jagte Schnuffel, jetzt mehr Drache als Kater, unserem Freund hinterher, der mutig "Zum letzten Gefecht!" rief. Als wir das Serum fertig hatten, kamen wir zu dem Schluss, dass ein Schriftsteller nicht nur Geschichten schreiben, sondern sie auch erleben muss. Mit einem Sprung in die Pfütze aus Tinte, Essenz, Wasser und großer Hoffnung wuchsen wir tatsächlich wieder auf unsere normale Größe an. Schnuffel, der plötzlich wieder der süße, kleine Kater war, blickte verwirrt an uns hoch. Und Rudi? Der stand auf der Couch, das Streichholz noch in der Hand, und verkündete: "Ich sagte euch doch, ich habe einen Plan!" Wir lachten, schrieben die Geschichte noch am selben Abend nieder und vereinbarten, beim nächsten Mal vielleicht doch ein Treffen im Café vorzuziehen – ohne Katzen und ohne Experimente. © by Michaela Brenner 2024
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Kreatives Schreiben