Aufstand der Protagonistin (Zwei von mehreren Flash Fiction Storys die im Zuge einer Autorenarena 2024 in Facebook entstanden ist) "Julias Aufstand" Julia, meine Protagonistin, die ich mit so viel Liebe und Leidenschaft erschaffen hatte, stand plötzlich vor mir. Ihre Augen blitzten vor Zorn. „Ich bin es leid, deine Marionette zu sein“, rief sie. „Sterben? Dein Ernst? Gleich zu Beginn der Geschichte und dann als Geist herumspuken? Das ist nicht das Leben, das ich mir vorstelle!“ Ich war sprachlos. Charaktere, die sich gegen ihren Schöpfer auflehnen das klang nach einer Geschichte, die ich schreiben würde, nicht nach einer, die ich erleben würde. Doch hier stand sie, in Fleisch und Blut, oder besser gesagt, in Tinte und Papier. „Julia, bitte“, begann ich, „deine Rolle ist essenziell. Du stirbst vielleicht körperlich, aber als Geist wirst du mächtiger sein als je zuvor. Du wirst die Geschichte vorantreiben, Geheimnisse aufdecken, die Lebenden beeinflussen.“ „Ach ja? Und was ist mit meinem Leben, meinen Träumen, meinen Wünschen?“, schnaubte sie. „Ich will lieben, lachen, Abenteuer erleben, nicht als unsichtbare Stimme in den Wind flüstern!“ Ihre Worte trafen mich. Hatte ich sie wirklich nur als Werkzeug für meine Geschichte angesehen und nicht als eigenständige Persönlichkeit? „Hör mir zu, Julia“, sagte ich entschlossen. „Was wäre, wenn ich dir verspreche, dass dein Tod nur der Anfang deiner Reise ist? Du wirst nicht nur ein Geist sein, sondern eine Schlüsselfigur. Du wirst die Macht haben, die Lebenden zu leiten, ihre Schicksale zu beeinflussen.“ Julias Blick wurde nachdenklich. „Und was ist mit meiner eigenen Geschichte? Werde ich je Frieden finden?“ „Ja“, erwiderte ich. „Am Ende deiner Reise wirst du die Wahrheit über deinen Tod erfahren und deine Erlösung finden. Aber bis dahin kannst du die Welt verändern, Julia. Du wirst mehr als nur ein Geist sein; du wirst eine Legende.“ Langsam wich der Zorn aus Julias Augen, und sie begann, sich das Bild, das ich malte, vorzustellen. Eine Figur, die sowohl das Reich der Lebenden als auch das der Toten beherrschte, eine Heldin, deren Einfluss über das Grab hinausreicht. „In Ordnung“, sagte sie schließlich, „ich werde es tun. Aber versprich mir, dass meine Geschichte zählt.“ „Das verspreche ich“, sagte ich, und im selben Augenblick verschmolz Julia wieder mit den Seiten meines Manuskripts, bereit, ihre Rolle anzunehmen, eine Rolle, die so viel mehr war als der Tod zu Beginn einer Geschichte. "Julias Rebellion" In meinem Büro herrschte das übliche kreative Chaos, als plötzlich eine Stimme die Stille durchbrach. „Ich weigere mich, das zu tun!“ Ich blickte auf und sah Julia, meine Protagonistin, mit verschränkten Armen und funkelnden Augen vor mir stehen. Sie war eine taffe Verbrecherin in meinem neuen Krimi, doch jetzt schien sie alles andere als zufrieden mit ihrer Rolle. „Julia, was... wie bist du...“, stotterte ich. „Spar dir das Erstaunen“, schnitt sie mir das Wort ab. „Ich bin hier, um dir zu sagen, dass ich es satt habe, die Böse zu spielen. Ich will keine Banken ausrauben oder unschuldige Menschen betrügen!“ Ihre Worte ließen mich innehalten. Hatte ich sie wirklich nur als Kriminelle gesehen, ohne ihre Geschichte zu bedenken? „Julia, ich verstehe deinen Frust“, begann ich vorsichtig. „Aber deine Rolle als Verbrecherin ist entscheidend. Du bist der Motor der Geschichte, der Konflikt, der alles vorantreibt.“ „Und was ist mit meinem Leben?“, entgegnete Julia. „Bin ich nur dazu da, um am Ende gefasst zu werden oder vielleicht schlimmeres? Ich will eine Chance auf Erlösung, eine Möglichkeit, mich zu ändern, eine Möglichkeit ein besseres Leben zu führen als das einer gewöhnlichen Verbrecherin.“ Ihre Worte gaben mir zu denken. War es fair, sie nur als Schurkin zu zeichnen, ohne ihr die Chance auf Wandel zu geben? „Okay, Julia“, sagte ich. „Lass uns einen Deal machen. Ja, du beginnst als Verbrecherin, aber das ist nicht das Ende deiner Reise. Du wirst eine Entwicklung durchmachen, eine Wandlung. Du wirst vor die Wahl gestellt, weiter auf dem falschen Pfad zu bleiben oder dich für das Gute zu entscheiden.“ Julia runzelte die Stirn, ihre Haltung etwas weicher. „Und was ist, wenn ich mich ändere? Was passiert dann mit mir?“ „Dann“, sagte ich mit einem Lächeln, „wirst du zur unerwarteten Heldin. Du wirst diejenige sein, die am Ende den Tag rettet. Deine Vergangenheit wird immer ein Teil von dir sein, aber sie wird nicht bestimmen, wer du bist.“ Julia überlegte einen Moment, dann nickte sie langsam. „In Ordnung, ich gebe dir eine Chance. Aber mach mich nicht zur Karikatur. Ich will echt sein, mit Fehlern und Stärken.“ „Das verspreche ich“, erwiderte ich. Julia nickte, nahm ihre Rolle wieder an und verschwand zwischen den Zeilen meines Manuskripts. Eine Verbrecherin, ja, aber eine mit einer Geschichte, die noch lange nicht zu Ende erzählt war. © by Michaela Brenner 2024
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