Prolog
Es
war
nur
ein
Flackern
im
Kristall,
das
ihn
den
Kopf
heben
ließ.
Kaum
mehr
als
ein
Zucken
im
Strom
der
Zeit.
Doch
er
hatte
es
gesehen
und
gefühlt.
Der
Raum
lag
in
vollkommener
Stille.
Keine
Stimme
und
kein
mechanisches
Surren
waren
zu
hören.
Nur
das
leise
Pulsieren
des
Siegels
spürte
er
durch
das
Dunkel
–
ein
Herzschlag
aus
Licht,
eingefasst
in
schwarzes
Glas,
umkreist
von
schwebenden
Splittern
aus
Metall
und
Magie.
Das
Zentrum
seiner
Macht,
seines
Seins
und
seines
Lebens.
Er
trat
näher
heran.
Sein
Mantel,
durchwoben
von
Runen
und
von
der
Geschichte
seines
Wirkens,
streifte
lautlos
den
Boden.
Jede Naht und jedes Symbol ein Geheimnis, das nur er kannte. Ein Mantel, gewebt vor Jahrhunderten.
Seine
Berührung
am
Rand
des
Siegels
war
wie
ein
Gruß.
Es
war
mit
ihm
verbunden.
Es
war
ein
Teil
seiner
Linie
und
seines
Überlebens.
Und
nun
–
Unruhe.
Mit
bloßem
Auge
war
kein
Riss
zu
sehen,
aber
er
spürte
es.
Es
war
bloß
ein
Hauch,
wie
ein
falscher
Ton
in
einer
makellosen
Symphonie.
Als
hätte
etwas
die
Ordnung
der
Zeit
gestört,
seiner
Zeit.
Er
lauschte.
Nicht
mit
den
Ohren,
sondern
mit
dem,
was
ihm
geblieben
war:
die
feine
Wahrnehmung
eines
Mannes,
der
längst
kein
normaler
Mensch mehr war. Etwas in Menschengestalt. Hüter eines Gleichgewichts, dass er selbst geschaffen hatte.
»Jemand kommt«, murmelte er und doch vibrierte seine Stimme durch den Raum.
Er
trat
an
den
Rand
der
Plattform.
Die
Stadt
unter
ihm
flimmerte.
Sie
war
geordnet
und
gehorsam,
wie
ein
Schachbrett
aus
Licht
und
Schatten,
auf
dem
er
jeden
Tag
spielte.
Jedes
Licht
war
ein
Leben
und
jeder
Schatten
eine
Erinnerung.
Dies
alles
hatte
er
unter
seiner
Kontrolle.
Eine
leise
Ahnung
kam
ihm
in
den
Sinn
und
doch
war
es
nichts
Greifbares.
Es
war
diffus
und
noch
ohne
Form.
Etwas
hatte
sich
verändert.
Etwas
näherte
sich,
das
nicht
in
seine
Gleichung
passte.
Er
ließ
den
Blick
schweifen.
Der
Turm,
in
dessen
Spitze
er
lebte,
ragte
über
den
Dächern
der
Stadt
empor.
Sein
Rückgrat
war
aus
Metall
geformt
und
sein
Herz
bestand
aus
Maschinen,
sein
Blut
aus
Magie.
Dort
unten
bewegte
sich
alles
nach
seinem
Willen.
Er
drehte sich um und blickte erneut auf das Siegel.
Es
bebte
in
seinem
Kern,
doch
niemand
sah
es,
niemand
hörte
es.
Nur
er.
Ein
winziger
Sprung
im
innersten
Kreis.
Eine
Regung,
als
würde
das
Artefakt
selbst
begreifen,
dass
seine
Zeit
ablief.
Zum
ersten
Mal
seit
Jahrhunderten
bewegte
sich
das
alte
Symbol.
Linien
glommen
auf
wie
Wunden,
die
sich
erneut
entzündeten.
Längst
vergessene
Muster
erschienen
und
leuchteten auf wie Warnzeichen aus einer anderen Welt.
Einer anderen Zeit?
Ein
Kreis
schloss
sich
und
die
Zeit
hielt
den
Atem
an.
Er
legte
die
Hand
erneut
auf
das
Artefakt.
Dieses
Mal
mit
mehr
Druck.
Er
wollte
es
spüren
und
er
fühlte
das
erste
Mal
einen
Widerstand.
Nein.
Ein
kaum
merklicher
Ruck
durchfuhr
seinen
Körper.
Das
durfte
nicht
sein.
Er
sprach
ein
Wort
–
nur
eines
–
und
das
Licht
im
Raum
wurde
dunkler.
Nicht
nur
optisch.
Es
war,
als
hätte
sich
die
Luft
verdichtet.
Eine
Projektion
erschien
vor
ihm.
Da
waren
keine
Stimmen,
kein
richtiges
Bild,
nur
die
Silhouette
eines
Mädchens.
Still
und
schemenhaft
und
doch
beunruhigend
klar.
Er
kannte
sie
nicht,
noch
nicht.
Aber
er
würde
sie
finden.
Magie
hatte
ihn
stark
gemacht
und
das
Artefakt
hatte
ihn
jung
bleiben
lassen.
Er
war
älter
als
alles
um
ihn
herum,
und
doch
bewegte
er
sich
wie
ein
Mann
in
der
Blüte
seines
Lebens.
Aber
sie
…
Sie
war
eine
Gefahr.
Eine,
die
unberechenbar
war,
und
genau
das
machte
sie
so
gefährlich.
Er
trat
zurück
und
verschränkte
die
Hände
hinter
dem
Rücken.
Seine
Augen
verengten
sich.
Sie
war
jung
und
unerfahren
in
seiner
Welt,
aber
sie
hatte
eine
besondere
Magie
die
ihn
unsterblich
machen
konnte.
Er
musste
sie
haben,
um
jeden
Preis.
Jeder
hatte
Angst
vor
dem
Ende,
aber
er
hatte
Angst
vor
einem
Anfang,
den
er
nicht
kontrollieren
konnte.
Die
Silhouette
verblasste.
Sein
Atem
war
ruhig,
seine
Gedanken
messerscharf, und doch flammte in seinem Inneren etwas auf, das er lange vergessen hatte: Furcht!
Kapitel 1 – Der geheime Brief
Megan
räumte
gerade
die
letzten
Dinge
im
Schlafzimmer
ihrer
Großtante
zusammen,
als
sie
hinter
einem
Gemälde
einen
antiken Tresor entdeckte.
Der
Safe
war
ein
altes,
mechanisches
Modell,
dessen
Zahlenschloss
sich
nach
wenigen
Versuchen
öffnete.
Der
Code
war
relativ leicht herauszufinden, denn es war Kyras Geburtstag.
»Natürlich«, murmelte Megan, als das Schloss klickte. »Du hast wirklich nie etwas dem Zufall überlassen, Tante Susanna.«
Als
Susanna
gestorben
war,
hatte
sie
ihren
beiden
Mädchen,
wie
sie
Megan
und
Kyra
stets
liebevoll
genannt
hatte,
ihr
gesamtes
Hab
und
Gut
vermacht.
Und
das
war,
wie
sich
bald
herausgestellt
hatte,
beträchtlich.
Megan
hatte
nie
geahnt,
wie
vermögend
ihre
Großtante
tatsächlich
gewesen
war.
Das
Haus,
in
dem
sie
all
die
Jahre
gelebt
hatten,
strahlte
eher
bescheidene
Gemütlichkeit
als
millionenschweren
Reichtum
aus.
Rückblickend
war
das
vermutlich
eine
weise
Entscheidung
gewesen,
denn
so
kam
niemand
auf
den
Gedanken,
hier
gäbe
es
etwas
zu
holen.
Megan
entleerte
den
Safe
vorsichtig
und
systematisch.
Neben
einigen
Unterlagen
und
vier
alten
Schlüsseln
fand
sie
einen
Brief,
der
sauber
versiegelt
war
und
nach
altem
Papier
roch.
Ihre
Finger
zitterten
leicht,
als
sie
ihn
öffnete
–
nicht
aus
Angst,
sondern
aus
einer
merkwürdigen Mischung aus Vorahnung und Nervosität.
Sie
zog
das
erste
Dokument
heraus:
ein
Grundbuchblatt,
sorgfältig
gefaltet
und
in
perfektem
Zustand.
Danach
folgte
ein
Grundstückslageplan.
Als
sie
das
dritte
Dokument
betrachtete,
hielt
sie
unwillkürlich
den
Atem
an.
Es
war
eine
Übertragungsurkunde mit Siegel und drei Unterschriften.
»Was
zum
…«
Sie
runzelte
die
Stirn,
las
die
Zeilen
und
schüttelte
dabei
ungläubig
den
Kopf.
Bei
der
Testamentseröffnung
vor
zwei
Jahren
war
nie
die
Rede
von
einem
Haus
in
Dublin
gewesen.
Der
Notar
hatte
kein
einziges
Wort
darüber
verloren,
keinen Hinweis darauf geliefert.
Hatte Susanna dieses Haus absichtlich aus der Erbmasse herausgehalten?
Oder hatte sie es schlichtweg vergessen?
Sie
blickte
auf
das
Datum
und
stellte
mit
Erstaunen
fest,
dass
die
Dokumente
bereits
einen
Monat
nach
ihrem
Einzug
bei
Tante Susanna ausgestellt worden waren.
Megan
setzte
sich
an
den
Schreibtisch
und
das
Licht
fiel
schräg
über
das
noch
immer
weiße
Papier.
Sie
fuhr
mit
dem
Finger
die Zeilen entlang, las erneut, doch diesmal langsamer. Was sie dann erblickte, konnte sie kaum glauben.
Die
Unterlagen
liefen
natürlich
alle
auf
Susanna
O’Mealy,
doch
auf
der
letzten
Seite
des
Dokuments
erblickte
sie
zwei
Namen,
die
wohl
nachträglich
eingetragen
worden
waren:
Kyra
und
Megan
O’Brien.
Sie
blinzelte
verwundert
und
staunte
nicht schlecht.
»Das kann doch nicht sein …«.
Unterzeichnet
waren
alle
Dokumente
von
Susanna
und
einem
Notar,
den
Megan
nicht
kannte.
Eine
weitere
Unterschrift
war
wohl von einem Zeugen.
In
den
nächsten
Tagen
ließ
Megan
die
Dokumente
auf
ihre
Rechtmäßigkeit
von
ihrem
Anwalt
prüfen.
Die
Antwort
kam
schneller als erwartet und war eindeutig.
»Die
Unterlagen
sind
einwandfrei«,
sagte
Mr.
Murray,
ein
älterer
Herr
mit
rauchiger
Stimme.
»Sie
und
Ihre
Tochter
sind
rechtmäßige Eigentümer eines Stadthauses in Dublin. Und zwar schon seit fast sieben Jahren.«
»Sie machen Witze.« Megan hatte das Gefühl, jeden Moment aufwachen zu müssen.
»Keineswegs.
Ich
würde
Ihnen
aber
raten,
sich
das
Objekt
so
bald
wie
möglich
anzusehen
und
den
Zustand
zu
prüfen.
Es
bestehen auch keine Verbindlichkeit darauf. Es ist sozusagen Schuldenfrei.«
Megan bedankte sich und legte das Handy zur Seite.
Kyra
wusste
noch
nichts
von
dem
zusätzlichen
Erbe
und
Megan
war
entschlossen,
das
zunächst
dabei
zu
belassen.
Erst
wollte
sie
das
Haus
mit
eigenen
Augen
sehen
und
prüfen,
ob
es
überhaupt
bewohnbar
war.
Bei
ihrem
Glück
handelte
es
sich
vermutlich
um
eine
heruntergekommene
Bruchbude
am
Stadtrand,
von
Unkraut
überwuchert
und
seit
Jahren
unbewohnt.
Und
mit
so
etwas
wollte
sie
sich
ganz
sicher
nicht
belasten.
Doch
ein
Teil
von
ihr,
ein
ganz
leiser,
hartnäckiger
Teil,
sagte
ihr,
dass
da
mehr
war.
Dass
Susanna
ihr
und
Kyra
etwas
hatte
hinterlassen
wollen,
das
nicht
nur
aus
Stein,
Holz
und Unkraut bestand.
Als
Kyra
zufällig
ins
Büro
ihrer
Mutter
kam,
blieb
sie
abrupt
im
Türrahmen
stehen.
Ihr
Blick
fiel
auf
die
ausgebreiteten
Unterlagen auf dem Schreibtisch, und sofort weiteten sich ihre Augen.
»Was ist das?«, fragte sie neugierig und deutete auf die Skizze.
Megan sah auf, ein schwaches Lächeln umspielte ihre Lippen.
»Ein Haus. In Dublin. Offenbar gehört es uns.«
Kyra blinzelte, als müsse sie sicherstellen, dass sie sich nicht verhört hatte.
»Ein Haus? In Dublin? Wieso wusste ich davon nichts?«
Megan
zuckte
mit
den
Schultern.
»Ich
wusste
es
ja
selbst
nicht.
Ich
habe
den
Brief
erst
vor
zwei
Tagen
gefunden.
In
Susannas altem Safe.«
»Tante
Susanna
hatte
einen
alten
Safe?«
Kyra
trat
näher,
stützte
sich
mit
den
Händen
auf
die
Tischkante
und
beugte
sich
über
die
Dokumente.
Ihre
Stirn
war
gerunzelt,
ihre
Augen
wanderten
über
den
Grundriss,
als
könnte
sie
dort
bereits
ein
Geheimnis aufspüren.
»Wir müssen nach Dublin. Sofort!«, rief sie plötzlich mit einer Mischung aus Entschlossenheit und Abenteuerlust.
Megan musste lachen. Die Begeisterung ihrer Tochter war wie ein plötzlicher Sommerwind, mitreißend und voller Leben.
»Also gut«, sagte sie und erhob sich.
»Pack ein paar Sachen ein. Wir fahren morgen früh.«
Am
nächsten
Tag,
kurz
nach
Sonnenaufgang,
machten
sie
sich
auf
den
Weg.
Die
Fahrt
nach
Dublin
dauerte
fast
vier
Stunden,
doch
die
Zeit
verging
schnell.
Sie
war
erfüllt
von
Vermutungen,
wilden
Theorien
und
viel
Musik,
die
aus
dem
Autoradio
drang.
Das
Navigationssystem
führte
sie
zuverlässig
durch
das
morgendliche
Verkehrschaos
der
Stadt,
vorbei
an
alten
Stadthäusern
und
modernen
Glasbauten,
bis
sie
schließlich
in
einer
ruhigen
Straße
ankamen.
Kyra
schnappte
nach
Luft.
»Wow …«, war alles was aus ihrem Mund kam.
Sie
parkten
gegenüber
eines
prächtigen
Backsteinhauses,
das
wie
aus
einem
historischen
Filmkulissenfundus
zu
stammen
schien
und
gleich
gegenüber
vom
Trinity
College
Park
stand,
durch
dessen
Bäume
die
Morgensonne
goldene
Lichtstreifen
warf.
»Was für ein Zufall«, bemerkte Kyra und zeigte mit dem Daumen über die Schulter zum Park.
Megan trat neben sie, die Hand über den Augen, um besser sehen zu können. »Ja, das ist echt seltsam, würde ich sagen«.
Ihr Blick glitt über die Fassade. Sie sah große Sprossenfenster mit schmiedeeisernen Gittern, die im Licht glänzten.
Hohe Fenster auf der linken Seite mit einem eigenen Eingang.
»Ein Geschäftslokal?«, fragte Kyra und schaute ihre Mutter mit hochgezogenen Augenbrauen an.
Megan zuckte nur mit den Schultern.
An
der
rechten
Seite
gab
es
eine
Eingangstür
aus
dunklem
massiven
Eichenholz,
versehen
mit
einem
vergoldeten
Türklopfer in Form eines Drachenkopfes.
»Der
sieht
furchteinflößend
aus,
sogar
von
hier
herüben«,
sagte
Kyra
grinsend.
»Fast
so,
als
würde
er
einen
gleich
fressen,
wenn man falsch klopft.«
Megan schmunzelte und holte die Schlüssel aus ihrer Tasche. Sie klimperten leise in ihrer Handfläche.
»Willst du …?«
Kyra nahm sie wie einen Schatz entgegen. Ihre Augen glänzten vor Aufregung.
»Na klar!«
Mit
federnden
Schritten
überquerte
sie
die
Straße,
steckte
den
Schlüssel
ins
Schloss
und
drehte
ihn
mit
einem
leisen
klack
um. Die Tür öffnete sich mit einem Quietschen, dass ihr Gänsehaut bereitete.
»Sollten wir wohl mal ölen lassen«, sagte Megan trocken und hob eine Augenbraue. »Oder ist es ein Soundeffekt?«
Kyra trat vorsichtig über die Schwelle.
»Damit wir wissen, dass jetzt etwas Magisches beginnt«.
Das
Innere
des
Hauses
empfing
sie
mit
dem
Geruch
nach
altem
Holz,
einer
Prise
Staub
und
etwas
anderem,
das
vage
nach
Lavendel
erinnerte.
Sonnenstrahlen
brachen
durch
die
Fenster,
tanzten
auf
dem
Boden
und
ließen
winzige
Staubpartikel
wie Goldstaub schweben.
»Wow …« flüsterte Kyra ehrfürchtig. »Das ist ja wie in einem alten Film.«
Megan
trat
hinter
ihr
ein.
Die
Eingangshalle
war
überraschend
groß,
die
Decke
hoch,
mit
kunstvollen
Stuckverzierungen
versehen. Ein alter Kronleuchter hing leicht schief von der Decke, als hätte er viele Geschichten zu erzählen.
»Ich
hätte
mit
kaputten
Wänden
und
Schimmel
gerechnet«,
murmelte
Megan,
während
sie
langsam
den
Blick
über
das
Innere
gleiten
ließ.
Kyra
öffnete
neugierig
die
erste
Wohnungstür
im
Erdgeschoß
und
war
gleich
noch
überraschter,
als
sie
es zuvor war.
»Mom … ich hatte recht!«
Megan
trat
zu
ihr
und
späte
über
ihre
Schulter.
Die
Tür
führte
in
ein
altes
Geschäftslokal.
Das
Licht
fiel
schräg
durch
die
hohen
Fenster
und
ließ
die
weißen
Leintücher
leuchten,
mit
denen
die
Möbel
bedeckt
waren.
Tische,
Stühle,
eine
alte
Theke
– alles wirkte wie in der Zeit eingefroren.
»Ein Café … oder vielleicht ein kleines Bistro?«, überlegte Kyra laut und drehte sich mit einem Lächeln zu ihrer Mutter um.
»Könnte man vermieten«, sagte sie nachdenklich. »So kommt Geld ins Haus.«
Kyra nickte, trat ein paar Schritte weiter, fuhr mit der Hand über eine der alten Holzstühle.
»Oder
wir
machen
es
selbst
auf«,
sagte
sie
schließlich,
ein
schelmisches
Lächeln
auf
den
Lippen.
»Susannas
–
was
meinst
du?«
Megan
lachte
leise.
»Lass
uns
erst
mal
den
Rest
ansehen.
Vielleicht
entdecken
wir
ja
noch
einen
Weinkeller
mit
verborgenen Schätzen.«
»Oder
ein
Spukzimmer
mit
Geisterkatze«,
erwiderte
Kyra.
Sie
grinsten
beide
und
machten
sich
daran,
das
Haus
weiter
zu
erkunden.
»Bin
schon
gespannt,
was
in
den
oberen
Stockwerken
zu
finden
ist?«,
rief
Kyra,
während
sie
das
Geschäftslokal
verließ.
Ohne
zu
zögern,
hüpfte
sie
die
steinernen
Stufen
hoch
in
den
ersten
Stock,
zwei
Stufen
auf
einmal
nehmend.
Megan
hörte
ihre
schnellen
Schritte
und
musste
unweigerlich
lächeln.
Ihre
Tochter
war
auch
mit
neunzehn
immer
noch
ein
Wirbelwind
aus
Neugier,
Energie
und
manchmal
auch
ein
bisschen
Chaos.
Oben
angekommen
stand
Kyra
vor
einer
einzelnen
Wohnungstür.
»Nur
eine
Tür?
Das
ist
ja
übersichtlich«,
murmelte
sie,
während
sie
die
Schlüssel
durchprobierte.
Erst
beim
Dritten
klickte
das Schloss.
»Aha!« Sie drückte die Tür auf, und in dem Moment, als sie eintrat, verschlug es ihr die Sprache.
»Hier ist ein Wohnzimmer … oder eher eine Bibliothek.«
Ihre Stimme überschlug sich fast. »Mom, sieh doch nur! Eine Bibliothek!«
Megan
folgte
der
Stimme
ihrer
Tochter
und
stieg
gemessenen
Schrittes
die
Stiegen
hinauf.
Als
sie
die
Wohnungstür
erreichte,
blieb
sie
wie
angewurzelt
stehen.
Der
Raum
vor
ihr
war
eine
Oase
für
Bücherliebhaber.
Regalwände
vom
Boden
bis
zur
Decke,
einige
mit
kunstvoll
geschnitzten
Holzverzierungen.
Eine
massive
Leiter
war
an
einer
Metallschiene
montiert
und
konnte
über
die
Wand
geschoben
werden,
um
die
oberen
Regalbretter
zu
erreichen.
Ein
Fenster
auf
der
gegenüberliegenden
Seite
ließ
warmes
Licht
ins
Zimmer
fallen
und
verlieh
dem
Staub
in
der
Luft
einen
goldenen
Schimmer.
»Wie aus einem Traum«, flüsterte Megan, fast ehrfürchtig. Kyra drehte sich um, ihre Augen strahlten.
»Ich könnte hier sofort einziehen. Ich meine das ernst.«
Megan schmunzelte. »Lass uns erst mal sehen, was noch auf uns zukommt, bevor du dein Bett hier reinstellst.«
»Nur mein Bett?« Kyra zwinkerte.
»Ich würde hier eine Hängematte zwischen den Regalen aufspannen und niemals wieder rauskommen.«
Sie
lachten
beide
und
machten
sich
dann
auf
den
Weg
nach
oben
in
den
zweiten
Stock,
zur
letzten
Wohnung
des
Hauses.
Die Tür knarrte leise, als sie sie öffneten. Drinnen umfing sie ein ganz anderes Gefühl als in den unteren Etagen.
»Hier
…
hat
vor
kurzem
noch
jemand
gewohnt«,
stellte
Megan
fest
und
trat
vorsichtig
ein.
Die
Räume
wirkten,
als
hätte
jemand
sie
erst
vor
Kurzem
verlassen.
In
der
offenen
Küche
standen
Gläser
ordentlich
in
Reih'
und
Glied
auf
einem
Regalbrett.
Der
anschließende
Essbereich
war
in
einem
charmanten
Erker
platziert
worden.
Durch
die
bogenförmigen
Fenster konnte man direkt auf den Trinity College Park sehen. Eine Aussicht wie aus einem Roman.
»Oh mein Gott, der Erker ist toll«, sagte Kyra leise. Sie trat ans Fenster, legte die Hände gegen das Glas.
»Sowas hab ich mir schon immer gewünscht.«
Das
Wohnzimmer
wirkte
wohnlich,
mit
alten,
aber
gut
erhaltenen
Möbeln.
Ein
samtbezogenes
Sofa
mit
gebogenen
Armlehnen,
ein
niedriger
Tisch,
auf
dem
noch
eine
Vase
stand
–
allerdings
leer.
Alles
war
sorgfältig
mit
weißen
Leinentüchern
bedeckt,
als
wolle
jemand
die
Erinnerung
daran
konservieren.
Die
Wohnung
hatte
zwei
Schlafzimmer,
eins
in
zarten
Pastelltönen
mit
antikem
Schminktisch,
das
andere
kleiner,
funktional,
aber
gemütlich.
Das
Badezimmer
überraschte
sie
mit
einer
freistehenden
Badewanne
auf
kunstvoll
gearbeiteten
Löwenfüßen,
einer
recht
großen
bodenebenen
Dusche
und zwei Waschtischen mit ovalen Spiegeln.
»Die
Wohnung
ist
noch
perfekter
als
die
im
ersten
Stock«,
sagte
Kyra
schließlich.
Ihre
Stimme
war
leiser
geworden,
nachdenklicher.
»Sie hat zwei Schlafzimmer. Caitlin und ich könnten uns das hier richtig schön herrichten vor dem Studium.«
Sie
blickte
ihre
Mutter
an.
Ihre
Worte
waren
zwar
als
Feststellung
formuliert,
doch
in
ihren
Augen
lag
die
leise
Bitte
nach
Zustimmung. Megan ging langsam durch den Raum, strich über eine der abgedeckten Kommoden.
»Ja, könntet ihr«, sagte sie sanft. »Und die alten Möbel schenken wir Liams Großvater. Der hat sicher große Freude daran«.
Kyra grinste. »Stimmt.«
Sie
verbrachten
noch
einige
Minuten
in
der
Wohnung,
bevor
sie
sich
schweigend
auf
den
Weg
nach
unten
machten.
Die
Eindrücke mussten erst einmal sacken. Den Keller hoben sie sich für den Schluss auf.
»Also,
ich
passe«,
sagte
Megan
und
verschränkte
demonstrativ
die
Arme.
»Ich
bin
kein
Fan
von
dunklen
Kellerräumen
wie
du weißt, da gehst du besser allein.«
»Na schön, du Angsthase«, meinte Kyra neckend und stieg die Kellertreppe hinunter.
Megan blieb oben und lauschte.
Kyra
fand
einen
Lichtschalter
und
ein
einzelnes,
diffuses
Deckenlicht
flackerte
auf.
Sie
sah
sich
um.
An
den
Wänden
standen
leere
Regale,
ein
paar
alte
Kisten
in
einer
Ecke
und
ein
verstaubter
Tisch,
der
bloß
an
die
Wand
gelehnt
war.
In
der
anderen
Ecke
stand
ein
massiver
Holzschrank,
dunkel,
mit
geschnitzten
Verzierungen.
Er
wirkte,
als
könne
er
Geschichten
erzählen
oder
Geheimnisse
verbergen.
Kyra
trat
näher
und
strich
mit
den
Fingerspitzen
über
das
Holz.
Der
Schrank
war
verschlossen.
Er
hatte
kein
Schloss,
aber
auch
keinen
Griff,
nur
eine
Einkerbung
in
der
Mitte.
Sie
runzelte
die
Stirn.
Es
war
kaum
etwas
im
Keller,
nicht
was
wirklich
erwähnenswert
gewesen
wäre.
Und
doch
…
als
sie
sich
umdrehte,
um
wieder
die
Treppe
hinaufzugehen,
blieb
sie
plötzlich
wie
angewurzelt
stehen.
Ein
kalter
Luftzug
streifte
ihren
Nacken.
Ein
seltsames
Gefühl
überkam
sie.
Es
war
wie
ein
kaum
hörbares
Flüstern
in
ihrem
Innersten,
eine
vage
Ahnung,
die
sich
nicht
greifen
ließ.
Kyra
fröstelte,
obwohl
es
im
Keller
nicht
besonders
kalt
war.
Ihr
Blick
glitt
erneut
zu
dem
alten
Holzschrank,
und
sie
konnte
nicht
anders, als stehen zu bleiben. Etwas daran zog sie magisch an.
Es
war
nicht
bloß
ein
Möbelstück.
Nicht
bloß
altes
Holz.
Es
war,
als
würde
er
sie
ansehen.
Sie
setzte
gerade
an,
wieder
einen
Schritt auf ihn zuzugehen, als ihre Mutter von oben in den Kellerraum hinunter rief.
»Was gibt’s da unten so Interessantes zu sehen?«
Kyra
erschrak
leicht,
der
Moment
zerplatzte
wie
eine
Seifenblase.
Sie
sah
noch
einige
Sekunden
zum
Schrank,
ihre
Finger
zuckten leicht, doch dann drehte sie sich schnell um und lief die Stufen hinauf.
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